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Faserkunde

  • Für den Endkonsumenten ist es heute praktisch nicht mehr möglich, die Qualität von Naturfasern in verarbeiteten Produkten zu unterscheiden. Selbst geschulte Fachleute haben zunehmend Schwierigkeiten, beispielsweise die Reinheit eines Kaschmirprodukts ohne Hilfsmittel zu bestimmen. Solche Hilfsmittel stellen chemische Verfahren, elektronenmikroskopische Aufnahmen und Brennproben dar, die nur in speziellen Forschungsinstituten durchgeführt werden.

    In der untenstehenden Übersicht erhalten Sie ein Grundverständnis über die gängigsten tierischen Naturfasern. Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen veranschaulichen dabei den unterschiedlichen Durchmesser sowie die Beschaffenheit der Fasern, die den Charakter und die Verwendungen der einzelnen Fasern bestimmen. Mit diesem Basis Wissen ist es Ihnen möglich, die wichtigsten Eigenschaften der jeweiligen Fasern zu erkennen und die geläufigsten kommerziell verwendeten tierischen Fasern zu unterscheiden.

  • Französische Wolle

    Merino nennt man die sehr feine, stark gekräuselte und besonders weiche Wolle. Die Faserfeinheit reicht von 16 bis 23,5 Mikron. Ausschlaggebend für die Bewertung der Qualität der Wolle ist die Länge der Faser, die Dicke und die Kräuselung (Elastizität).

  • Chinesische Yackwolle

    Die Yakwolle stammt vom asiatischen Hochlandrind, das dank ihrem dichten, langen Fell bei Temperaturen bis zu -40 Grad zurechtkommt. Yakwolle ist leicht, weich und dicht. Sie ist Kaschmirwolle sehr ähnlich, aber gröber als diese. Yakwolle hält besonders warm, weil sie isolierend wirkt.

  • Chinesisches Kamelhaar

    Kamelhaar ist sehr strapazierfähig, lang und besitzt eine unregelmäßige Schuppenanordnung. Die Querschnitte der Kamelhaare weisen aufgrund der unterschiedlichen Markkanalgrössen große Feinheitsunterschiede auf. Das Flaumhaar der Kamele ist sehr weich, glänzend und wärmt sehr gut.

  • Chinesische Cashwool

    Bei Cashwool handelt es sich um eine Art "Schafswolle", die vom Romanow Schaf stammt. Diese Schafsrasse kommt dem Urschaf am nächsten und lebt in den Hochtälern des Himalaja Gebirges. Es ist darum auch nicht erstaunlich, dass sich diese Wolle nur schwer von Kaschmirfasern unterscheiden lässt.

  • Zentralasiatisches Kashmir

    Die Kaschmirziege zeichnen sich durch ihre langen, feinen Unterhaare aus, die deutlich feiner sind als Schafswolle und zu den feinsten Tierhaaren gehören. Die gröberen Haare (18 - 22 Mikron) werden oft zur Teppichherstellung verwendet, wogegen die feineren Flaumhaare (14 und 22 Mikron) für die Produktion von Schals, Pullovern oder anderen Kaschmirprodukten verwendet werden.

  • Feines mongolisches Kashmir

    Beim feinen Brustflaum der Kaschmirziege, mit einer Dicke von nur 14 bis 16 Mikron, spricht man von Pashmina. Je höher die Weiden der Tiere liegen, desto feiner die Haare, welche das Tier von der Kälte und Feuchtigkeit schützt. Der kürzlich stark lancierte und kommerzialisierte Begriff "Pashmina" bedeutet in der Lokalsprache Kaschmirs / Nepals "Ziegenwolle".

  • Yangir

    Yangir ist eine seltene und begrenzt handelbare Faser, die vom sibirischen Steinbock (capra ibex sibirica) stammt. Die Faser wird auch das goldene Vlies Zentralasiens genannt und gehört mit einer Dicke von nur 11,5 bis 12,5 Mikron zu den feinsten tierischen Fasern. Diese seltene Faser kommt in einer sehr limitierten Menge auf dem Weltmarkt vor, worin auch der hohe Preis begründet ist.

  • Chinesische Tussahseide

    Die bräunliche Tussahseide stammt vom Tussahspinner, einer Raupe die sich ausschließlich von Eichenlaub ernährt. Diese Seidenart weist einen Durchmesser von 15 Mikron auf und wird vorwiegend in der Deckenherstellung verwendet.

  • Indische Maulbeerseide

    Die edlere weiße Rohseide stammt vom Maulbeerspinner, der sich von Maulbeerblättern ernährt. Bei der Verarbeitung werden die Kokons verwendet. Von dem Kokonmittelteil kann man einen rund 1000 Meter langen Faden abwickeln mit einem Durchmesser von rund 3 Mikron.

  • Polyesterfaser silikonisiert

    Zum Vergleich die silikonisierte Polyesterfaser, die praktisch keine Schuppung aufweist und ihm Vergleich zu den tierischen Naturfasern kaum Feuchtigkeit aufnehmen kann.

  • Merino / Schafswolle

    Merino nennt man die sehr feine, stark gekräuselte und besonders weiche Wolle des Merinoschafs. Die Faserfeinheit reicht von 16 bis 23,5 Mikron. Die Wolle ist sehr elastisch und hat eine hochwertige Qualität. Die Faser besitzt eine so genannte natürliche Thermoregulationseigenschaft. Dabei kann die Wolle im inneren Wasserdampf aufnehmen, die Oberfläche stößt Wasser jedoch ab. Sie kann bis zu 33% ihres Trockengewichts an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Diese Feinwollschafsrasse stammt ursprünglich aus Spanien und ist heute über die ganze Welt verbreitet. Die Wolle wird als hochwertiges Kammgarn vor allem für feine Pullover und Sakkos sowie edle Strickwaren aller Art verwendet. Ausschlaggebend für die Bewertung der Qualität der Wolle ist die Länge der Faser, die Dicke und die Kräuselung (Elastizität).

  • Cashwool

    Bei der tierischen Naturfaser Cashwool handelt es sich um eine Art "Schafswolle", die vom Romanow Schaf stammt. Diese Rasse, welche dem Urschaf am nächsten kommt, lebt hauptsächlich im westlichen Teil von China und in den Hochtälern des Himalaja Gebirges. Das Romanow Schaf wird auf einer Höhe von bis zu 4000 Meter über Meer gehalten. Die kalten Winter und die hohen Tagesamplituden tragen wesentlich dazu bei, dass dieses Schaf im Laufe der Evolution eine so feine Wolle entwickeln konnte. Es ist darum auch nicht erstaunlich, dass sich diese Wolle nur schwer von Kaschmirfasern unterscheiden lässt. Das forensische Institut der ETH (Eidgenössischen Hochschule) zeigt auf, dass die Gene des Romanow Schafs denjenigen der Ziege zum Verwechseln ähnlich sind. Die Wolle des Romanow Schafs wird wie Kaschmir verarbeitet und wird oft als "Cashwool" angeboten.

  • Yakwolle

    Die Yakwolle stammt vom asiatischen Hochlandrind (Bos grunniens) und ist leicht, weich und dicht. Sie ist Kaschmirwolle sehr ähnlich, aber gröber als diese. Yakwolle hält besonders warm, weil sie isolierend wirkt, sodass die Tiere Temperaturen bis zu -40 Grad aushalten können. Der Yak verfügt als einzige Rinderart über ein mehrschichtiges und besonders dichtes Haarkleid, aus dem sich verspinnbare Wolle herstellen lässt. Pro Jahr und Yak kann man 0,3-3 kg Grobwolle sowie 0,4-0,6 kg Feinwolle gewinnen. Die Wolle wildlebender Yaks ist schwarzbraun, domestizierte Tiere liefern auch weisse, rote oder gescheckte Wolle. Yakwolle lässt sich filzen und zu Garnen verspinnen. Diese Garne können wie jene aller Wollarten vielfältig weiterverarbeitet werden, indem man sie verwebt oder verstrickt. Die feinere Wolle dient der Herstellung von Kleidung.

  • Kamelhaar

    Als Kamelhaar oder auch Kamelwolle werden die Haare des einhöckerigen Kamels (Dromedar) und des zweihöckerigen Kamels (Trampeltier) bezeichnet. Im Handel erhältliches Kamelhaar stammt jedoch fast ausschließlich vom Trampeltier, das einen dichteren Haarwuchs aufweist. Eine besonders gute Qualität weist die Rückenwolle des Kamels auf. Am wertvollsten ist das Haar der Kamele aus den Ländern mit rauem Klima. Kamelhaar ist sehr strapazierfähig und die Schuppenanordnung ist unregelmäßig. Die Querschnitte der Kamelhaare weisen aufgrund der unterschiedlichen Markkanalgrössen große Feinheitsunterschiede auf. Kamelgarn, welches aus Kamelhaaren gesponnen wird, besitzt fast keine Kräuselung. Das Garn glänzt wie Schafwolle, fühlt sich aber gröber als diese an. Wegen ihres hohen Preises sind Gewebe aus reinem Kamelhaar relativ selten, deshalb werden Kamelhaare meistens mit Merino-Kammgarnen oder Baumwolle verwoben.

  • Kaschmir / Pashmina

    Die Kaschmirfaser stammt aus dem Unterfell der Kaschmirziege. Diese Ziegen zeichnen sich durch ihre langen, feinen Unterhaare aus. Die Haare können deutlich feiner sein, als die dünnste Schafswolle und gehört zu den feinsten Tierhaaren, neben Vikunja und Moschusochse überhaupt. Um die Fasern zu gewinnen, wird die Ziege ein bis zwei Mal im Jahr gekämmt und nicht geschoren wie es bei Schafen der Fall ist. Beim Auskämmen der Ziege erhält man pro Tier im Jahr zwischen 600 und 800 Gramm Material, welches zu ca. 60% aus Fasern und 40% aus Schmutz und einem geringen Prozentsatz an Fett besteht. Die gröberen Haare, welche einen Durchmesser von 18 - 22 Mikron (tausendstel Millimeter) aufweisen, werden oft für die Herstellung von Teppichen verwendet. Die feineren Flaumhaare, mit einer Dicke zwischen 9 und 18 Mikron, werden in der Textilindustrie für die Produktion von Schals, Pullovern oder anderen Kaschmirprodukten verwendet.

  • Yangir

    Yangir ist eine äußerst seltene und begrenzt handelbare Faser, welche vom sibirischen Steinbock (capra ibex sibirica) stammt. Sibirische Steinböcke bewohnen vorwiegend Gebirgsregionen in Asien. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Russland und der westlichen Mongolei über die westlichen Teile Chinas bis in das nördliche Indien und Afghanistan. Diese Faser wird auch das goldene Vlies von Zentralasien genannt. Wie auch bei Kaschmir beziehungsweise Pashmina handelt es sich hier um ein Flaumhaar, welches eine Dicke von nur 11,5 bis 12,5 Mikron (tausendstel Millimeter) aufweist. Diese seltene Faser kommt in einer sehr limitierten Menge auf dem Weltmarkt vor, worin auch der hohe Preis begründet ist. Pro Jahr werde weltweit nur rund 1200 - 1500 Kilogramm verarbeitet und gehandelt (Stand 2005). Streng geschützt und mit Lizenzen versehen darf diese Menge in den Handel gelangen. Die Yangir Faser kommt der Vikunjafaser am nächsten.

  • Alpaka / Lama / Vikunja / Guanako

    Die Alpaka-, Lama-, Vikunja- und Guanakohaare stammen von den vier in den Anden Südamerikas lebenden Lama Arten, beziehungsweise Schafkamelen. Alpakatiere (Lama pacos) werden zur Gewinnung von langen Haaren gezüchtet, wogegen das Lama als Transporttier gehalten wird. Die Alpakafaser besitzt eine Feinheit von 24 bis 30 Mikron (tausendstel Millimeter), wobei sie eine Länge von bis zu 50 cm erreichen können. Vikunja (Lama vicugna) ähnelt dem Guanako, wobei es jedoch kleiner und schlanker ist. Dieses Tier kommt in den Hochlanden in einer Höhe zwischen 3500 und 5500m vor und besitzt ein Flaumhaar von 12,5 Mikron. Die Wolle der Vikunjas gilt als eine der seltensten und teuersten der Welt. Bis 1965 ging die Zahl der lebenden Vikunjas auf rund 6000 Tiere zurück, woraufhin umfangreiche Schutzmaßnahmen ergriffen wurden. Vikunja ist international geschützt und das Flaumhaar ist nur mit speziellen Lizenzen handelbar.

  • Seide

    Seide wird aus den Kokons der Seidenraupe gewonnen, wobei man zwischen einer weißen Rohseide und einer bräunlichen Wildseide unterscheidet. Die edlere weiße Rohseide (auch Haspelseide, Maulbeerseide oder Zuchtseide genannt) stammt vom Maulbeerspinner (Bombix Mori). Bei der Verarbeitung dieser Seidenart werden die Kokons verwendet, von welchem einen rund 1000 Meter langen Faden abwickeln kann. Man bezeichnet diese Art von Seide auch als Rohseide, die einen Durchmesser von rund 3 Mikron (tausendstel Millimeter) aufweist und eine weiße Farbe besitzt. Die bräunliche Wildseide (Tussahseide) stammt vom wildlebenden Tussahspinner (Eichenspinner), einer Raupe die sich ausschließlich von Eichenlaub ernährt. Da hier der Schmetterling meist ausgeschlüpft ist, sind die Fasern kürzer als bei der Maulbeerseide und nicht abhaspelbar. Diese Seidenart weist einen Durchmesser von 15 Mikron (tausendstel Millimeter) auf und wird vorwiegend in der Deckenherstellung verwendet.

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