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Kaschmir

Überblick

Die Kaschmirfaser stammt aus dem Unterfell der Kaschmirziege. Diese Ziege, auch "Changra" genannt, lebt in den Gebieten des Himalaja Gebirges. Die Kaschmirziege ist eine Rasse der Hausziegen und zählt zu den Wollziegenrassen. Diese Ziegen zeichnen sich durch ihre langen, feinen Unterhaare aus. Die Haare können deutlich feiner sein, als die dünnste Schafswolle und gehören zu den feinsten Tierhaaren, neben Vikunja und Moschusochse. Um die Fasern zu gewinnen, wird die Ziege ein bis zwei Mal im Jahr gekämmt und nicht geschoren wie es bei Schafen der Fall ist. Beim Auskämmen der Ziege erhält man pro Tier im Jahr zwischen 600 und 800 Gramm Material, welches zu ca. 60% aus Fasern und 40% aus Schmutz und einem geringen Prozentsatz an Fett besteht. Die gröberen Haare, die einen Durchmesser von 18 - 22 Mikron (tausendstel Millimeter) aufweisen, werden oft für die Herstellung von Teppichen verwendet. Die feineren Flaumhaare, mit einer Dicke zwischen 9 - 18 Mikron, werden in der Textilindustrie für die Produktion von Schals, Pullovern oder anderen Kaschmirprodukten verwendet. Dank ihrer Feinheit bieten die Kaschmirprodukte einen weichen und angenehmen Tragkomfort.

Die Bezeichnung "Cashmere" (Kaschmir) ist ein geschützter Begriff, welcher in Europa ausschließlich für die Flaumhaare der Kaschmirziege verwendet werden darf. In den USA bezeichnet man alle Kaschmirfasern unter einer Feinheit von 19 Mikron als etikettenwürdiges Kaschmir. Der Verkaufspreis der Kaschmirwolle richtet sich nach deren Qualität. Dabei sollen die Haare möglichst fein, lang und hell sein. Lange Haare neigen weniger zur Knötchenbildung als kürzere. Pashmina ist der feinste und wertvollste Teil der Kaschmirhaare. Allerdings ist dieser kürzlich stark lancierte Begriff nicht geschützt. In der Lokalsprache Kaschmirs / Nepals bedeutet Pashmina nichts anderes als "Ziegenwolle". Im Gegensatz zu Kaschmir ist der Begriff von Pashmina nicht geschützt und es finden sich etliche Waren auf dem Markt, die wohl mit Pashmina bezeichnet sind, aber nichts mit dem echten Pashmina zu tun haben.

Die Kaschmirfaser kommt in rund 8 natürlichen Farbnuancen vor, von weiß über einen beigen Farbton bis hin zu einem dunkelbraunen, fast schwarzen Farbton. Die Farbnuancen sind auf die rund zwanzig Unterrassen der Kaschmirziegen zurückzuführen. Das Färben eines Naturprodukts wie Kaschmir kann Probleme verschiedenster Art hervorbringen. Jede Ziege ist genetisch unterschiedlich veranlagt, wobei die Oberflächenstruktur des Haars nicht bei jeder Kaschmirziege gleich ist. In der Regel haftet der Farbstoff gut auf den Ziegenhaaren. Es kann jedoch auch vorkommen, dass gewisse Haare keinen Farbstoff aufnehmen ja sogar unterschiedlichste Farbtöne annehmen. Beim Einkauf sollte man auf folgende Punkte acht geben. Reines Kaschmir ist matt und glänzt nicht wie Mohair. Der Griff sollte sich seifig-weich anfühlen und beim Anfassen der Ware sollte die Körperwärme bald spürbar sein und angenehm warm geben. Kaschmir neigt zur Knötchenbildung, dem so genannten Pilling. Sollte eine Ware vermehrt Pillen heißt das nicht unbedingt, dass es sich um schlechte Qualität handelt.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen

Materialbeschrieb

Kaschmirwolle bezeichnet das Unterhaar der Kaschmirziege aus der gleichnamigen Provinz in Indien sowie aus dem Himalaya. Die in Nordindien und Tibet heimischen Tibet- oder Kaschmirziegen liefern von der sehr feinen Kaschmirwolle pro Tier nur ca. 110 g Wolle im Jahr. Kaschmirwolle wird von Hand ausgelesen und ausgekämmt. Da der Ertrag der feinen Unterwolle (Flaumhaare) pro Jahr und Ziege so gering ausfällt, ist sie sehr teuer. Für einen echten Kaschmirschal benötigt man etwa die Jahres-Woll-Produktion von ein bis zwei Kaschmirziegen.

Kaschmirwolle ist sehr weich im Griff, leicht und wärmeisolierend, aber nicht sehr strapazierfähig. Sie ist seidig glänzend, weiss bis hellgrau, kann aber auch braun oder schwarz sein. Die Unterwolle der Kaschmirziege zeichnet sich durch ihre besondere Feinheit aus: Die einzelnen Haare haben einen Durchmesser von nur 9-12 m. Im Vergleich dazu ist die ebenfalls als sehr fein geltende Merinowolle mit einem Durchmesser von 16,5-24 m geradezu grob.

Kaschmir lässt sich verspinnen und das Garn zu Geweben verarbeiten. Textilien aus naturbelassenen Kaschmirfasern gibt es in der Regel in allen Farbtönen. Häufig werden die Haare allerdings vor der Textilherstellung eingefärbt; am wertvollsten sind daher besonders feine, lange, gekrauste und möglichst helle Fasern, weil sie Farbe gut annehmen. Hergestellt werden aus Kaschmirwolle Mützen, Schals, Pullis sowie Decken.

Andere Bezeichnungen / Synonyme: Kaschmir, Kaschmirhaar, Cashmere
Lateinische Bezeichnung: Capra hircus laniger
Englische Bezeichnung: cashmere (wool)

Hintergrund

Ökonomie
Im Himalaya und im Pamir Gebirge in der Region Kaschmir wird die Wollherstellung aus der Ziegenwolle schon seit Hunderten von Jahren betrieben. Die industrielle Fertigung in den westlichen Ländern begann erst im späten 18. Jh. Zu den wichtigsten Erzeugerländern gehören heute China, die Mongolei, Nepal, Pakistan und Iran. Zuchtfarmen für Kaschmirziegen gibt es mittlerweile allerdings auch in Australien, Neuseeland und Schottland. Die höchste Qualität wird der chinesischen Kaschmirwolle zugesprochen. Nach allen Bearbeitungsschritten verbleiben von ca. 100-200 g Rohkaschmir je Ziege noch ca. 30-50 g Material, das zur Weiterverarbeitung verwendbar ist.

Herstellung

Gewinnung
Einmal im Jahr werden die Haare der Tibet- oder Kaschmirziegen durch Auskämmen gewonnen. Anschliessend müssen die feinen Wollhaare (10%) in aufwendiger Arbeit von den Grannenhaaren (90%) getrennt werden.

Fertigung
Bereits beim Auskämmen und Aufsammeln wird das Rohmaterial nach Güteklassen und Farbe sortiert. Beim Eintreffen in den Sammelstellen in den Herkunftsländern erfolgt eine nochmalige manuelle Selektion. Das verbleibende Rohmaterial wird vom Restanteil an Schmutzhaar befreit. Meist geschieht das per Hand, heutzutage kann dieser Schritt aber auch maschinell mit Hilfe von Zentrifugalkraft erfolgen, durch die die groben Deckhaare und Schmutzpartikel weggeschleudert werden. Nach dem Waschen gelangt das Zwischenprodukt meist nach Italien, wo sich die besten weiterverarbeitenden Betriebe befinden. Dort wird das Rohmaterial nochmals gereinigt, gefärbt und zu hochwertigen Garnen versponnen.

Eigenschaften

Erscheinung
Farbe: Beigetöne, Brauntöne, Grautöne, schwarz, weiß
Haptik: warm, weich

Bearbeitung

Lieferbare Materialqualitäten
Aufgrund des hohen Preises für reine Kaschmirwolle wird diese für die Textilherstellung häufig mit anderen Naturfasern, z. B. mit Merinowolle, gemischt. In der Schweiz und in Deutschland gibt es strenge Vorschriften, welchen Mindestanteil Kaschmirkleidungsstücke haben müssen: Produkte mit der Bezeichnung "Kaschmir" müssen zu 85% aus Kaschmirwolle bestehen, solche "mit Kaschmiranteil" zu mindestens 14,5%. Die feinste und wertvollste Kaschmirwolle trägt die Bezeichnung Pashmina.

Schutz und Pflege
Von Hand sollten Textilien aus Kaschmirwolle in höchstens warmem Wasser gewaschen und nicht länger als nötig eingeweicht werden. Anschließend sind sie mit klarem Wasser auszuspülen und vorsichtig auszudrücken, dann in ein Handtuch einzurollen und zum Trocknen auszulegen. In der Waschmaschine sind Kleidungsstücke aus Kaschmirwolle auf links zu drehen und nicht über 30 C bei niedriger Drehzahl zu waschen.

Anwendungsgebiete
Bekleidung, Heimtextilien. Beispielsweise Schals, Mützen, Pullover, Wolldecken, Tücher, Steppdeckenfüllungen

Quellennachweis

S1-8 Materialarchiv, www.materialarchiv.ch/detail/83 (Online-Schaltung: 13.11.2013)

Quellen Standardwerke
Schenek, Anton (2001): Naturfaserlexikon. Frankfurt am Main, Deutschland: Deutscher Fachbuchverlag GmbH.

Weitere Quellen
www.seidenwelt.net/lexikon/kaschmirwolle
www.burdastyle.de/aktuelles/news/warenkundwww.angora.de/40_310.html
de.wikipedia.org/wiki/Kaschmirwollewww.cimono.de/magazin/textilien/

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